Wie lange dauert die Sommelier-Ausbildung

Wie lange dauert die Sommelier-Ausbildung? So einfach die Frage, so kompliziert die Antwort, denn es gibt viele verschiedene Möglichkeiten der Ausbildung. Wir versuchen trotzdem konkrete Antworten zu geben.
Sommelier Ausbildungsdauer

Titelbild: „hotel THE CLIFF BAY . sommelier Sérgio Marques“ by PortoBay Trade is licensed under CC BY-ND 2.0

Die Sommelier-Ausbildung ist eine Fortbildung. Fortbildungen setzen Grundwissen voraus. Deswegen ist die Antwort auf die Frage, wie lang die Ausbildung zum Sommelier dauert, nicht so einfach. Sie dauert um so länger, je weniger Grundwissen der Interessent oder die Kandidatin hat. Von vier Monaten bis drei Jahre reicht die Spanne. Dazu sind die Voraussetzungen von Anbieter zu Anbieter verschieden. Spielen wir also einmal einige Szenarien durch.

Szenario 1: Der blutige Anfänger

Steffen – um unseren Beispielen Namen zu geben – ist 19 Jahre alt und hat nach der mittleren Reife eine kaufmännische Ausbildung gemacht. Daneben hat er sich in einem Gastro-Job etwas dazu verdient. Nun hat er gemerkt, dass ihm Arbeit am Gast viel mehr Spaß macht als die im Büro. Allerdings sieht er seine Zukunft nicht als einfaches ‚Teller-Taxi‘, da er das Gehalt uninteressant findet. Er möchte direkt eine Spezialisierung erlernen und wählt den Sommelier.

Steffen sollte drei Jahre einplanen. Von denen entfällt leider einiges auf Wartezeit, denn er braucht Praxis. Wichtige Zugangsvoraussetzung für die Sommelier-Ausbildung ist gastronomische Berufspraxis. Wer keinen Hotel- oder Gastro-Beruf erlernt hat, benötigt zwei Jahre Berufserfahrung in der Gastronomie, bevor er den Sommelier machen kann, zumindest wenn dieser IHK-zertifiziert sein soll. Und diesen offiziellen Stempel einer Industrie- und Handelskammer sollte Steffen anstreben, wenn er in Deutschland mit seiner Ausbildung punkten will.

Bei der Berechnung der praktischen Erfahrung kann Steffen darauf hoffen, dass ihm seine Aushilfskellner-Zeit wenigstens teilweise angerechnet wird. Mit Glück kann er so auch schon nach 20 Monaten Vollzeit-Arbeit in einem Gastro-Betrieb an einem Sommelier-Lehrgang teilnehmen. Seine Chancen darauf erhöhen sich zusätzlich, wenn er vorher einen Lehrgang zum Assistant Sommelier (IHK) macht. Dieser bereitet ihn auch gut auf seine Sommelier-Seminare vor.

Für Steffen wäre dann ein berufsbegleitender Kurs die erste Wahl, da er Zeit zum lernen benötigt. Schließlich sind seine Vorkenntnisse begrenzt. Dieser Kurs dauert zwischen sechs und zwölf Monaten, je nach Anbieter. Wenn alle Termine perfekt aufeinander abgestimmt sind, kann er nach zweieinhalb Jahren den Somm-Titel erlangen. Realistisch sind drei Jahre. Denn was gerne vergessen wird: die IHKs verlangen ein Praktikum auf einem Weingut als Vorbereitung auf die Seminare. Würde er zum Beispiel bei der IHK Würzburg seinen Kurs belegen, hätte er 140 Stunden Weingutspraktikum nachzuweisen. Das sind knapp vier Wochen.

Szenario 2: Die Gastro-Erfahrene

Isa hat in einem Luxus-Hotel eine Ausbildung als Hotelfachfrau gemacht und dabei auch sechs Monate im hauseigenen Sterne-Restaurant gelernt. Anschließend hat sie eine Weile im Vertrieb des Hotels gearbeitet, bevor sie sich dann doch für den Service entschied. Nach zwei Jahren auf verschiedenen Kreuzfahrtschiffen arbeitet sie jetzt im dritten Jahr in einem Top-Restaurant, mittlerweile als Chef de Rang. Da ihr Karriereziel Restaurantleiterin ist und diese immer öfter auch das Thema Wein im Blick haben müssen, beschließt sie die Ausbildung zur Sommelière zu machen. Sie will aber kein Weingutspraktikum machen, da sie im Urlaub gerne ganz vom Job abschaltet. Ihr Arbeitgeber beteiligt sich an den Kursgebühren, kann ihr aber ein Praktikum auf dem Weingut nicht als Arbeitszeit anrechnen.

Sommelier VerkostungGanz ohne Praktikum wird auch Isa keinen IHK-Titel erhalten. Sie kann ausweichen auf den Titel IHK-geprüfter Sommelier, Fachrichtung Handel. Für den ist es möglich, die Hälfte der Praktikumszeit im Restaurant zu verbringen (was Isa dann schon hätte) und die andere Hälfte in einem Weingut. Doch erstens müsste Isa dann immer noch ein – wenigstens kürzeres – Praktikum im Weingut machen und zweitens hätte sie den ‚falschen‘ Sommelier. Letzteres ist kein Problem für die Somms, die gar nicht als Somms arbeiten wollen, sondern den Aspekt Wein im Aufgabenfeld Restaurantleitung, F&B Direktor, Geschäftsführer abdecken möchten. Ansonsten entsprechen Isas Vorqualifikationen den Anforderungen zu hundert Prozent. Da sie ganz normal weiterarbeiten möchte und Zeit benötigt, das Gelernte zu verinnerlichen, bietet sich ein berufsbegleitender Kurs an. Glücklicherweise lebt Isa in Berlin und kann deshalb die Außenstelle der Deutschen Wein- und Sommelierschule besuchen. Hier macht sie einen Kurs über 8 Monate mit zwei Tagen Unterricht pro Woche (unterbrochen von Ferien).

Würde Isa in Kiel, Rostock oder Münster wohnen, hätte sie weniger Möglichkeiten. Entweder sie entschiede sich für ein Fernstudium, etwa von der Deutschen Hotel Akademie, oder sie machte einen Kompaktkurs in einer Stadt mit Sommelierschule.

Szenario 3: der quereingestiegene Voll-Profi.

Torben hat mächtig Ahnung von Wein. Schon im Elternhaus kam er damit in Berührung. Jahrelang hat er jeden Urlaub in Weinregionen verbracht und seine Freizeit auf das Thema Wein verwendet. Nachdem der studierte Ingenieur eine Weile Wein nur als Hobby betrieben hat, erfüllte er sich vor drei Jahren seinen Traum, das Hobby zum Beruf zu machen und eröffnete eine Weinbar. Dabei merkte er im Lauf der Jahre, dass immer mehr Gäste fragen, ob er denn ausgebildeter Sommelier sei. Torben ist Markenbotschafter einer Italienischen Weinbauregion für Deutschland und regelmäßig gebuchter Moderator von Weinveranstaltungen für Amateure und Profis, trotzdem will Torben die Prüfung ablegen. Er hat das Gefühl, dass einzelne Kunden seinen Wein-Empfehlungen mehr Vertrauen entgegenbrächten, hätte er ein Zertifikat an der Wand hängen, das ihn als IHK-geprüften Sommelier ausweist.

Formell hätte Torben keine Chance, die Ausbildung sofort zu beginnen. Während Steffen in Beispiel 1 nur zwei Jahre Berufserfahrung braucht, weil er eine kaufmännische Lehre gemacht hat, nützt Torben sein Ingenieurstudium gar nichts. Von Quereinsteigern verlangt die Prüfungsordnung fünf Jahre einschlägige Berufserfahrung und Torbens Bar besteht erst drei Jahre. Allerdings kann der Seminaranbieter Ausnahmen machen, wenn der Kandidat nachweisen kann, dass er auf andere Art und Weise ‚Kenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen erworben hat, die die Zulassung zur Prüfung rechtfertigen‘. Damit kann man sogar das Praktikum auf einem Weingut umgehen.

Nehmen wir also mal an, die IHK ließe sich darauf ein und Torben darf loslegen. Einen großen Wissenszuwachs kann er vom Lehrgang nicht erwarten. Er kann die Prüfung aber auch nicht aus dem Handgelenk schütteln, da sicher Themen behandelt werden, mit denen er sich nie beschäftigt hat. Die Weinwelt ist zu groß, als das man aus der bloßen Praxis heraus die gesamte Theorie lernen könnte. Da Torben aber nur wenige neue Inhalte lernen muss, wäre er ein Kandidat für den kürzest möglichen Crash-Kurs. Den bietet derzeit das International Wine Institute in Bad Neuenahr/Ahrweiler. Ungefähr vier Wochen dauert der Lehrgang. Allerdings müsste Torben die vier Wochen an der Ahr vor Ort sein.

Wir hoffen, ihr findet Euch in einem der Beispiele wieder. Sonst hinterlasst uns gerne einen Kommentar und wir beraten Euch individuell.

 

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